H. N. Werkman. Eine Biografie in Jahreszahlen

1882-1900
Jugendjahre

1900-1907
Werkman als Journalist

1908-1922
Die Druckerei

1923-1940
Künstlerschaft

1940-1945
'De Blauwe Schuit'

 

 
 

1940
Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs bekommt die Druckerei nur noch wenige Aufträge. Werkman beschäftigt sich hauptsächlich mit dem Malen. Bekannt sind u.a. Theevisite onder het afdak (Teebesuch unter dem Vordach; Groninger Museum) und andere Karton-Gemälde. Drucke entstehen in diesem Jahr nicht.
Am Ende des Jahres lernt er den Prädikanten August Henkels (1906-1975) kennen, der zusammen mit Adri Buning (1896-1948) und Ate Zuithoff (1912-2009) beschlossen hatte Martinus Nijhoffs Gedicht Het jaar 1572 (Das Jahr 1572) von Werkman drucken zu lassen. Die vier gründen die De Blauwe Schuit (Die Blaue Schute). Bis ins Jahr 1944 hinein werden, in kleinen oder größeren Auflagen, vierzig Texte und Gedichte herausgegeben. Zur Unterstützung der Moral sind sie vaterlandsliebend und oft religiös ausgerichtet und mit typischen Werkman Drucken illustriert.
 
 
Die vier hinter De Blauwe Schuit (Die blaue Schute) stehenden Menschen posieren in Werkmans Druckerei im September 1942. Von links nach rechts Ate Zuithoff, August Henkels, Werkman und Adri Buning.
 
 

1941
Anfang 1941 malt Werkman noch immer. Er macht Bekanntschaft mit dem Chassidismus. Von Henkels leiht er sich Die Legende des Bahlschem von Martin Buber aus. Henkels beauftragt ihn eine Geschichte hieraus, Die Predigt des neuen Jahrs, für De Blauwe Schuit zu drucken. Die Reihe Geschichten inspirieren Werkman in den Sommermonaten zu seinem bekanntesten Werk, die zwei Suiten mit den Chassidische Legenden (Chassidischen Legenden). Sie erscheinen 1942 und 1943 in einer Auflage von 20 Stück bei De Blauwe Schuit.
Werkman nimmt, auf Bitten von Sandberg hin, an der vom 29. März bis 4. Mai im Stedelijk Museum in Amsterdam laufenden Ausstellung De Verluchte Bladzijde (Die illuminierte Seite) teil. Am 25. April stattet Sandberg Werkman einen Besuch ab. Er möchte sich alle Ausgaben von De Blauwe Schuit anschaffen und kauft die Serie Hot Printing.
Im Mai besuchen Werkman und Wiegers Sandberg in Amsterdam. Dieser nimmt ihn mit zum Depot in Castricum, in dem während des Zweiten Weltkrieges die Sammlung des Stedelijk Museum Amsterdam aufbewahrt wird. Danach besuchen sie in Amsterdam den Kunsthändler Herbert Tannenbaum und den Maler Friedrich Vordemberge-Gildewart in dessen Atelier.
Kurz darauf macht Werkman seine ersten Drucke seit langer Zeit - die Reihe Amsterdam-Castricum. Aus diesem Jahr stammen auch die Serien Typografische Köpfe, Bilder aus dem Zirkus und sein bekanntes Werk Draaideur van het postkantoor 2 (Drehtür des Postamts 2; Groninger Museum).
Im Mai 1941 lernt Werkman den Künstler Paul Guermonprez (1908-1944) kennen. Auch mit ihm sollte Werkman eine lebendige Korrespondenz pflegen.
Im November besucht Werkman Sandberg wo er auch den Maler Peter Alma, den Architekten Mart Stam und Vordemberge-Gildewart trifft.
Im selben Monat druckt er eine neue De Blauwe Schuit-Ausgabe, den beeindruckenden Turkenkalender 1942 (Türkenkalender 1942). 
 
H. N. Werkman, Draaideur van het postkantoor 2 (1941) (Drehtür des Postamts 2; Groninger Museum).
 
1942
Um offiziell weiterarbeiten zu können, müssen Künstler sich im April bei der Kultuurkamer angemeldet haben. Für Werkman, der als Drucker registriert ist, gilt dies nicht. De Blauwe Schuit arbeitet als illegales Unternehmen weiter.
Im April besuchen Werkman und seine Frau Guermonprez in Voorschoten. Hier treffen sie u.a. A.M. Hammacher, Horst Gerson und Gerrit Rietveld. Sie reisen zurück über Amsterdam, wo sie Sandberg treffen.
Im Mai werden Henkels und Guermonprez von den Deutschen verhaftet und in St.-Michielsgestel festgehalten. Werkman korrespondiert weiterhin mit ihnen und schickt regelmäßig Skizzen seiner Arbeit. Henkels wird im Dezember freigelassen.
Im Laufe von 1942 erscheinen vierzehn neue Ausgaben von De Blauwe Schuit mit Gedichten von u.a. Marsman und Nijhoff sowie Texten von Luther.
Im Sommer produziert Werkman die Reihe von Drucken mit dem Titel Vrouweneiland (Fraueninsel).
Die erste Mappe der Chassidischen Legenden erscheint. Die Nachfrage nach der Mappe ist überwältigend. Die Drucke werden im September in St.-Michielsgestel ausgestellt.
 
1943
Der Utrechter Hausarzt und Fotograf Nico Jesse besucht Werkman und nimmt die berühmte Porträtreihe auf.
Bei seinen Drucken wendet Werkman eine neue Variante seiner Stempeltechnik an. Er trägt die Tinte mithilfe von rechteckigen Bleiklötzchen in dicken Schichten auf das Papier auf, was dem Werk einen gemalten Charakter verleiht. Es entsteht eine neu Reihe mit Köpfen, die eher Porträts ähneln. Ferner entstehen Drucke mit Pferden und Reitern sowie Groninger Stadtansichten und Landschaften. Im September vollendet er einen Auftrag des Nederlandsch Verbond van Boekenvrienden (Niederländischer Verband der Buchfreunde); mit dem Vorsitzenden des Verbandes, B. Kist, korrespondiert er zwischen Juni 1943 und Februar 1944.
Im Laufe des Jahres 1943 erscheinen dreizehn neue Ausgaben von De Blauwe Schuit, u.a. die Auflage mit der zweiten Suite mit Chassidischen Legenden.
 
1944
Im Gegensatz zu den anderen Kriegsjahren fängt Werkman in diesem Jahr bereits im Januar mit der Arbeit an seinen Drucken an. Er ist sehr produktiv und Ende Februar sind achtzig Drucke entstanden, fast ausschließlich in der Schablonentechnik. Auffallend ist die Serie mit abstrakten Kompositionen auf alt-holländischem, geripptem Papier.
Im April kehrt Werkman zu seiner Stempeltechnik aus dem Jahre 1943 zurück. Im Laufe des Jahres entsteht eine neue Serie mit sehr expressionistisch aussehenden Köpfen, u.a. Apostelkop (Apostelkopf, Privatsammlung), Portret van een vrouw met linkerhand aan de wang (Porträt einer Frau mit linker Hand an der Wange; Privatsammlung) und eine Reihe Pferde und Reiter.
Die letzten Ausgaben von De Blauwe Schuit erscheinen. Werkman betreut Ausgaben der Volière-Reihe, eine Initiative von zwei jungen Dichtern/Juristen, W.H. Nagel (schreibend als J.B. Charles) und W.H. Overbeek (schreibend als Marten Drossaard). Werkman druckt Terzinen van de Mei (Terzinen des Mai) von Nagel/Charles für De Bezige Bij.
Kurz nach der Landung der Alliierten am 6. Juni in der Normandie erhält Werkman die Nachricht, dass Paul Guermonprez füsiliert wurde. Werkman ist völlig außer Fassung. Anfang Juli schreibt er, dass die Arbeit wieder besser gelingt: Er erfindet ein neues, übrigens wenig erfolgreiches, Druckverfahren, und schafft ‘Abstrakte mit flachen Farben und Typografie, einige Köpfe und Pferde’. Ende Juli taucht Henkels in Brabant unter, kann aber weiterhin mit Werkman korrespondieren.
Im Oktober wird die Elektrizitätsversorgung abgeschnitten - Werkman muss die Druckerei schließen.
Anfang Dezember trifft Werkman Henkels, der sich in den Norden abgesetzt hat. Ende Dezember entsteht ein Plan für eine neue Reihe von Drucken, inspiriert durch Geschichten von Edgar Allan Poe. Werkman hatte bereits zu einem früheren Zeitpunkt in diesem Jahr vier Poe-Drucke geschaffen: Descent into the Maelström (u.a. Klingspor-Museum, Offenbach am Main).
 
1945
Im Januar arbeitet Werkman an einem Kalender, den er im Februar vollendet. Er produziert keine Drucke mehr, weil er, wie er schreibt, auf besseres Wetter wartet.
Am 13. März wird Werkman vom Sicherheitsdienst verhaftet, vermutlich, weil er verdächtigt wird, illegale Drucksachen angefertigt zu haben. Die in der Druckerei und im Wohnhaus gefundenen Gemälde und Drucke werden vom SD mit ins Scholtenshuis genommen. Henkels, der bei Werkman wohnt, wird noch am selben Tag vom SD verhaftet. Beide werden vom 'Scholtenhuis' in die Haftanstalt von Groningen gebracht.
Am 10. April wird Werkman mit neun anderen auf dem 'Mandeveld' in Bakkeveen erschossen, drei Tage vor der Befreiung von Bakkeveen.
Bei der Befreiung von Groningen wird am 15. April das 'Scholtenhuis' verwüstet. Hierbei gehen die beschlagnahmten Gemälde und Drucke verloren. Am selben Tag werden Werkman und die anderen Opfer aus dem Massengrab ausgegraben und am 17. April auf den Friedhof von Bakkeveen umgebettet.
Im Juli kennt die Stadt Amsterdam den ersten H. N. Werkman-Preis für Typografie für Werkmans Turkenkalender 1942 (Türkenkalender 1942) zu.
Im Oktober organisiert Sandberg gemeinsam mit Mart und Olga Stam eine Werkman-Ausstellung im Stedelijk Museum.

 

1882-1900
Jugendjahre

1900-1907
Werkman als Journalist

1908-1922
Die Druckerei

1923-1940
Künstlerschaft

1940-1945
'De Blauwe Schuit'